Ruine Fürstenberg auf der Rheinhöhe bei Rheindiebach im Rheintal
Mittelrhein – im Tal der Loreley
linke Rheinseite zwischen Bingen und Koblenz – Mäuseturm, Burg Klopp, Burg Rheinstein, Burg Reichenstein, Burg Sooneck, Heimburg, Ruine Fürstenberg, Burg Stahleck, Ruine Stahlberg, Schönburg, Burg Rheinfels, Kurtrierische Burg, Königstuhl, Schloß Stolzenfels, Kurfürstlichdes Schloß, Alte Burg
Die Burgruine Fürstenberg, oberhalb von Rheindiebach bei Bacharach am Rhein, erinnert an vergangene Zeiten, an Triumphe, Niederlagen und Zerstörungen. Sie erzählt von Menschen, die sie mit ihren Händen und Geräten errichtet haben, sie benutzten, bewohnten, in ihr lebten und atmeten. Sich das Denkmal mit Phantasie und historischem Wissen zu erschließen, bedeutet Anteil an dem Lebensalltag und den Lebenshöhepunkten unserer Vorfahren zu nehmen.

Mit dem Zauber ihrer Verlassenheit und Unberührtheit lädt Fürstenberg zum Verweilen ein. Der Gang durch die Weinberge, der wunderschöne Blick von der Südterrasse auf das Rheintal lassen fernab vom städtischen Trubel den Alltag vergessen. So wird der Besuch der Anlage zu einem entspannenden und erholsamen Erlebnis, das bei einem Gläschen Wein gemütlich ausklingen kann.

Die Wehr- und Zollburg

Über dem südlichen Steilhang des Gailsbachtales erhebt sich auf einem dreieckigen Bergsporn die Burgruine Fürstenberg oberhalb von Rheindiebach bei Bacharach am Rhein. Ihre Anlage folgt dem natürlichen Höhenverlauf des gewachsenen Schiefergesteins. Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die Kernburg errichtet und in den folgenden zwei Jahrhunderten um die Zwinger und den dreiviertelrunden Turm erweitert.

Die Verteidigungsanlagen der Wehr- und Zollburg erschließen sich dem Betrachter am eindrucksvollsten von der Hunsrückhöhe: Hinter dem an der Brücke zwölf Meter tiefen Halsgraben liegen die Zwingeranlagen, die massive Schildmauer mit dem mächtigen Turm und der runde zinnenbewehrte Bergfried. Victor Hugo erinnerte der Anblick dieses fünfundzwanzig Meter hohen Turmes an ferne Länder, an die "geheimnisvollen und massiven Schlösser von Samarkand, Calicut und Canganor". Die Ringmauer, die parallel zu den talseitigen Steilhängen verlief und an der Schildmauer abschloß, schützte die innere Burg. – Grundriss der Ruine Fürstenberg

Eine Brücke über den künstlich angelegten Halsgraben ermöglicht den Zugang zur Burg. Die beiden mittelalterlichen Brückenpfeiler sind aus Bruchsteinen gemauert. Es folgt der ursprünglich zweigeschossige Torbau mit seitlichen Sitznischen und Fenstern. Er konnte über eine Treppe im Torzwinger betreten werden. Ein Spitzbogentor verbindet ihn mit dem anschließenden langgestreckten Westzwinger. Vermutlich entstanden die Zwingeranlagen im 14. Jahrhundert als westliche Erweiterung der eng bebauten Kernburg. In friedlichen Zeiten dienten sie als Wirtschaftshof. Ein kleiner Eckturm an der flachen Seite des Halsgrabens verstärkt die äußeren Zwingerflanken.

Die Schildmauer trennt den Zwinger von der Kernburg. Erst in den letzten fünfzig Jahren stürzten Teile dieser ursprünglich drei Meter starken und zehn Meter hohen Verteidigungsmauer ein. Eine Mauernaht zu dem dreiviertelrunden Turm belegt dessen späteren Anbau. Der Turm ist auf einem hoch anstehenden Schieferfels errichtet. Seinen oberen Abschluß bildet eine siebeneckige Wehrplattform, die mit dem Wehrgang der Schildmauer verbunden war. Drei große Schießscharten (Büchsenscharten) im mittleren Geschoß dienten zur zusätzlichen Verteidigung der Schildmauer von der Seite. Die Außenwände des Turmes zieren zwei aus Ziegelsteinen gemauerte Bogenfriese, die auf Sandsteinkonsolen ruhen.

Die Kernburg

Ein schmales Tor in der Schildmauer, die an dieser Stelle nur noch in halber Höhe erhalten ist, führt aus dem Torzwinger in die Kernburg der Ruine Fürstenberg oberhalb von Rheindiebach bei Bacharach am Rhein.

Eine Wand und die Fundamente des früher mindestens zweigeschossigen Nordbaus verbinden die nördliche Ringmauer mit dem Bergfried. Der fensterlose, sich nach oben verjüngende Turm trägt noch umfangreiche Reste des originalen Putzes. In das Innere des Bergfrieds gelangt der Besucher durch eine ebenerdige Öffnung, die in jüngerer Zeit gewaltsam in die Westmauer gebrochen wurde. Ursprünglich konnte das Erdgeschoß nur von oben betreten werden und diente daher als Vorratsraum oder Burgverließ. Ein kleiner Absatz im Turminneren markiert die Eingangsebene in zwölf Metern Höhe. Vermutlich war der Eingang auf der Rheinseite über einen im Verteidigungsfall leicht abzuwerfenden Holzsteg vom Palas aus zu erreichen.

Auf dem obersten Felsplateau stehen noch einzelne Mauerpartien des Palas bis zum zweiten Obergeschoß. Vor der Zerstörung im Pfälzischen Erbfolgekrieg war das Wohngebäude dreistöckig mit Fachwerk ausgebaut. Seine Schaufassaden mit ihren großen Fenstern richteten sich zum Rhein- und Gailsbachtal aus. Wenzel Hollar hielt diesen Eindruck im 17. Jahrhundert in einer Zeichnung fest.

Zwischen den beiden in Resten erhaltenen mächtigen Strebepfeilern und der südlichen Ringmauer liegt der äußere Burghof. Die Ringmauer ist in weiten Bereichen bis zur Höhe des Wehrganges erhalten. Auch sind noch heute die Schießscharten und die Schlitzscharten in den Zinnen sichtbar. Balkenlöcher in der Ringmauer lassen auf eine ursprünglich einstöckige Bebauung des Hofes schließen. In seiner Südost-Ecke befindet sich ein flacher gemauerter Kellerraum.

Vom östlichen Burghof erschließen sich dem Besucher die gewaltigen Ausmaße des Bergfrieds. Einzig die beiden Konsolsteine vor dem ehemaligen Turmeingang zieren die massive Wand.

Im letzten Jahrhundert setzten die damaligen Besitzer ein kleines Tor in die südliche Ringmauer. Das Gelände unterhalb des Durchbruchs wurde ebenfalls erst in neuerer Zeit eingeebnet. Von dieser Aussichtsterrasse bietet sich ein schöner Blick über die Weinberge und das Rheintal.

Auch Könige zahlen Zoll

Angst ergriff den Kölner Erzbischof Engelbert I. zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Hatte doch seine Diözese Besitz um Bacharach am Rhein und Anrecht auf Rhein- und Straßenzoll erworben. Übergriffe drohten seitens des Mainzer Erzbischofs und des Wittelsbacher Pfalzgrafen Ludwig I., zu dessen Eigentum die nahegelegene Burg Stahleck gehörte. Zum Schutz errichtete Engelbert I. im Jahre 1219 Burg Fürstenberg, eine der mächtigsten Wehranlagen am Rhein. Erst 1243 schloß sein Nachfolger, Erzbischof Konrad, einen Vergleich mit dem Sohn Ludwigs I., Pfalzgraf Otto II. Dieser erhielt die Burg als erbliches Lehen.

Den Stolz der pfalzgräflichen Erben bekam Adolf von Nassau 1292 zu spüren, als er sich auf den Weg zu seiner Königskrönung nach Aachen begab. Er verweigerte den Fürstenbergern die Zollentrichtung. Die Burgmannen des Pfalzgrafen griffen daraufhin den Zug Adolfs an und töteten einen seiner Begleiter. Auch der künftige König mußte letztendlich wie jeder gewöhnliche Reisende seinen Tribut leisten. Trotz dieser feindseligen Begegnung heirateten im Jahre 1297 der damalige Besitzer der Fürstenberg, Pfalzgraf Rudolf I., und Mechthild, die Tochter Adolf von Nassaus. Sie erhielt durch die Heiratsvereinbarung Fürstenberg als Witwengut (Wittum).

Rudolfs Bruder, Ludwig der Bayer, der für seine Wahl zum König viel Geld benötigte, verpfändete die Burg zunächst an den Mainzer Erzbischof und gab sie anschließend dem Trierer Erzbischof als Lehen. Die Rechte seiner Schwägerin Mechthild erkannte er nicht an und zwang sie nach dem Tod ihres Mannes, ihren Witwensitz zu räumen. Bis ins 17. Jahrhundert blieb die Burg in pfalzgräflichem Besitz.

Der Niedergang der Anlage begann im 30jährigen Krieg, als sie 1620 von den Spaniern erobert und zwölf Jahre danach dem schwedischen König Gustav Adolf kampflos überlassen wurde. Nach dem Krieg fiel Fürstenberg an die Kurpfalz zurück. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstörten 1689 französische Truppen die Wehranlage. Nach dem Frieden von Lunéville ging die Burg mit den linksrheinischen Landen der Kurpfalz in das Eigentum der Franzosen über.

Mitte des 19. Jahrhunderts erwarb Prinz Friedrich der Niederlande die Ruine und vererbte sie seiner Tochter, Fürstin Marie zu Wied. Nach mehrfachem Besitzerwechsel gehören Kulturdenkmal und Weinlage seit 1993 der Familie Stelter aus Rheindiebach bei Bacharach am Rhein.

Erlebnis Denkmalpflege

Viele Burgen verdanken ihre Attraktivität dem Zauber ihrer Unberührtheit und dem ungestörten Naturzustand. In Jahrhunderten verbanden sich Schöpfungen der Natur und des Menschen zu einer Einheit. Burgruinen bieten daher häufig Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere. Jeder Eingriff verändert diesen Zustand. Doch ist es nicht reizvoll, Geschichte lebendig werden zu lassen und eine Ruine wieder aufzubauen? In der Vergangenheit und auch heute sind immer wieder Aufbaupläne entstanden, die sich am aktuellen Zeitgeschmack orientierten und das Denkmal seines ursprünglichen, historischen Charakters beraubten. So plante Mitte des 19. Jahrhunderts C. de Jong, Fürstenberg zu einem neugotischen Schloß auszubauen.

Gegen die Aktivitäten der "genialen Restauratoren" forderte um die Jahrhundertwende der Kunsthistoriker Georg Dehio, daß "Altes auch alt erscheinen soll mit allen Spuren des Erlebten." Diesem Gedankengang schließt sich die heutige Denkmalpflege, an.

Dem Geheimnis auf der Spur

Jedes Denkmal dokumentiert Zeit und Umstände seiner Erbauung. Jeder Eingriff in die ursprüngliche Bausubstanz hat Spuren an ihm hinterlassen. Die Informationen über diese historische Veränderungen stecken in den Mauern – in jedem noch so unscheinbaren Erd- und Schutthügel. Es bedarf einer genauen Beobachtung, Auswertung der Quellen und verschiedener Untersuchungen, um dem Bauwerk seine Geheimnisse zu entlocken.

Für das Instandsetzungs-Konzept der Burgruine Fürstenberg oberhalb von Rheindiebach bei Bacharach am Rhein werten somit Wissenschaftler schriftliche Quellen und Pläne sowie Ansichten verschiedener Jahrhunderte aus. Bauhistoriker fertigen maßstäbliche Bauzeichnungen und Fotografien der gesamten Bausubstanz an.

Denkmalpfleger untersuchen Oberflächen auf Baunähte, Risse oder Verformungen. Geologen analysieren Putz und nehmen Bohrungen vor, die Einblick in die Stabilität des Baues und des Baugrundes geben. Erst nach diesen Voruntersuchungen kennt der Denkmalpfleger die Biografie der Burg.

Eine Burg erwacht aus dem Dornröschenschlaf

Bis November 1995 umrankten Efeu und Bäume malerisch die Burgruine Fürstenberg oberhalb von Rheindiebach bei Bacharach am Rhein. Ein nistender Falke auf dem Bergfried ergänzte den verträumten Eindruck der Burg. Jedoch Sträucher und Bäume wurzelten in den Mauerfugen, so daß tiefgreifende Mauerrisse entstanden. Ecken brachen herab und der Bau wurde instabil. Deshalb entschlossen sich die Denkmalpfleger und der Eigentümer, zunächst den Bewuchs zu entfernen. Herabgestürzte Mauerteile wurden gesammelt, um sie bei der Stabilisierung und der Sicherung einzelner Bauelemente wieder zu verwerten.

Um den Prozeß des Verfalls aufzuhalten, erwiesen sich konservatorische Maßnahmen als dringend notwendig. Die nordwestliche Ringmauer hat bei der Instandsetzung höchste Priorität. Einzelne Mauerteile werden durch das Einbringen von Stahlträgern stabilisiert. An vielen Stellen ist der Fugenmörtel so porös, daß er herausbricht. Es gelang mit Hilfe einer chemischen Analyse, das Rezept des Originalmörtels annähernd zu rekonstruieren. Weiterhin sollen der Nordbau und sein Anschluß an den Bergfried freigelegt und der Mauerzahn des Palas gesichert werden. Die Brücke erschließt den Zugang zur Burgruine und eine Wendeltreppe den zum Bergfried. Erst dann folgt das Sichern der Zwingermauern, des Torhäuschens und der südlichen Ringmauer.

Bei allen Maßnahmen ist jedoch zu beachten, daß auch künftige Generationen ein Recht auf das noch Unerforschte haben. Vielleicht können sie manches Geheimnis besser entschlüsseln als es unsere technischen Möglichkeiten heute zulassen..

Fürstenberg, Zeichnung: Nicola Holzhaider

Rhine Castle Schoenburg, Oberwesel

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